Heiße Chemotherapie

Heiße Chemotherapie

Terminologie: Wir können den englischen Ausdruck “Hyperthermic Intraperitoneal Chemotherapy” als “Hyperthermische Intraperitoneale Chemotherapie” übersetzen. Wir werden unten den kürzeren Ausdruck “Heiße Chemotherapie” verwenden.

Warum führt man eine intraabdominale Chemotherapie durch?

Viele Krebsarten, die aus intraabdominalen Organen stammen, können den Bauchfell, der auch Peritoneum heißt, betreffen. Der Bauchfell ist eine dünne Gewebe, die die innere Seite des Bauchs und die Oberfläche der inneren Organe bedeckt. Er scheidet eine kleine Menge Flüssigkeit aus, um die Schmierung zwischen der Organen zu bewahren. Bei Krebsfällen, die aus der intraabdominalen Organen stammen, können die Krebszellen sich durch die Nachbarschaft oder durch den Ausfall in den Peritoneum verbreiten. Das zeigt, dass der Krebs in späten Stadien ist. Wenn der Bauchfell betroffen ist, können die systemischen Chemotherapeutika (intervenöse Chemotherapeutika) nicht einwirken, weil sie den Bauchfell nicht erreichen können. Die hauptsächliche Prinzip dieser Behandlung ist die Tötung der restlichen Krebszellen mit erwärmten Chemotherapeutika nach der chirurgischen Entfernung der krebshaltigen intraabdominalen Organen und Geweben (zytoreduktive Chirurgie).

Der Zweck der “heißen Chemotherapie”

Warum wärmt man die Chemotherapeutika an? Was sind die Wirkungen der Wärme?

  • Die Wärme erleichtert die Penetration der Medikament in die Gewebe.
  • Die Wärme erhöht die tötende Aktivität der Chemotherapeutika.
  • Die Wärme selbst hat Anti-Tumor-Aktivität.
  • Intraoperative Chemotherapeutika kann man mit der Hand verteilen, sodass die aktive Substanz gleichmäßig in die Geweben hineindringt.
  • Während der Operation kann man die negative Wirkung der Medikament auf Nieren kontrollieren und die Urinproduktion folgen (wenn nötig Maßnahmen veranlassen).
  • Während der heißen Chemotherapie, können viele physiologische Parametern (Körpertemperatur, Koagulation, Hämodynamie usw.) normalisiert werden.
  • Während der heißen Chemotherapie (zirka 60 Minuten) werden die Tumorzellen auch mechanisch von der Oberfläche des Dünndarms und Koagulationsschichten entfernt.

Bei welchen Patienten und Erkrankungen kann man die heiße Chemotherapie verwenden?

Diese Methode wird am häufigsten an Patienten mit Ovarialkrebs angewendet. Sie findet auch an Krebsen vom Dickdarm, Magen, Appendix und Peritoneum (pseudomyxoma peritonei) Anwendung. In letzten Jahren begann man sie auch am Pankreaskrebs anzuwenden.

Wenn der Bauchfell betroffen ist, häuft die Aszitesflüssigkeit im Bauchraum an. Diese Flüssigkeit verursacht die Schwellung des Bauchs und erleichtert die Ausbreitung der Tumorzellen an den Diagphragma und in den ganzen Bauchraum. Diese Flüssigkeit ist manchmal so voluminös, dass der Patient nicht auf seiner Seite schlafen kann. Diese Flüssigkeit kann man von Zeit zu Zeit entleeren, aber das bietet leider keine dauerhafte Lösung an. Wenn die Ursache nicht beseitigt wird, wird diese Flüssigkeit sich immer wieder anhäufen. Man solll diesen Patienten mitgeteilen, dass sie im terminalen Stadium sind und es keine Behandlungsmöglichkeiten mehr gibt und sie werden danach nach Hause geschickt. Die zytoreduktive Chirurgie und heiße Chemotherapie sind gerade für diese Patienten geeignet.

Ist die heiße Chemotherapie allein ausreichend?

Nein, sie ist nicht allein ausreichend, sie bildet einen Teil der Behandlung. Diese Behandlung ist eigentlich dreibeinig.

Zunächt braucht man eine komplette oder partielle zytoreduktive Operation, wo der betroffene Bauchfell und die betroffenen intraabdominalen Organe (Dickdarm, Ovarium, Gallenblase, der betroffene Teil des Magens usw.) entfernt werden. Nach dieser Operation, der Bauch wird in voller Länge geöffnet und der ganze Bauch inspektiert. Der betroffene Bauchfell und die betroffenen Organe werden ausgeschnitten, wobei, wenn nötig ist, die Entfernung eines Teils des Dünn- und Dickdarms und die Bildung eines künstlichen Ausgangs an der Bauchwand durchgeführt (Kolostomie oder Ileostomie)wird. Es ist normalerweise eine vorläufige Intervention und der Darm wird nach dem Ende der Behandlung wieder zurückgesetzt. Ohne diese Operation, hat HIPEC (heiße Chemotherapie) keinen Sinn. Umgekehrt, ohne HIPEC hat auch diese Operation nicht viel Sinn. Die systemische Chemotherapie soll zytoreduktive Chirurgie und heiße Chemotherapie folgen.

Mit anderen Worten, die erforderliche drei Beine sind: zytoreduktive Chirurgie + heiße Chemotherapie + systemische Chemotherapie.

Wenn ist die heiße Chemotherapie nicht geeignet?

Wenn die extraabdominalen Organe (z.B. Gehirn-, Lungen-, Knochenmetastasen) betroffen sind, kann man heiße Chemotherapie nicht anwenden. Die Krankheit soll nur im Bauchraum sein. Bei den Patienten, die vielzählige Metastasen oder nicht-operierbare Lebermetastasen haben, können nicht mit der heißen Chemotherapie behandelt werden. Drei oder mehr operierbare Lebermetastasen sind aber nicht ein Hindernis für heiße Chemotherapie. Diese Patienten sind meist nicht vorher feststellbar, aber können während der Operation bemerkt werden.

Gibt es bestimmte Situationen, wo heiße Chemotherapie allein verwendet kann?

Bei manchen Patienten, kann man die Aszitesflüssigkeit behandeln und heiße Chemotherapie nur für die Komfort der Patienten anwenden. Bei diesen Patienten braucht man nicht die konventionelle Chirurgie durchführen, heiße Chemotherapie kann mit einer Katheter, der  mit der Laparoskopie eingesetzt werden kann, eingebracht werden. Dennoch, diese Intervention ist eine palliative Behandlung und hat keine signifikante Wirkung auf der Überlebensrate der Patienten.

Wie wird die heiße Chemotherapie durchgeführt?

Die heiße Chemotherapie ist ein wichtiger Teil des Operationsvorganges. Sie wird, nach einer langen und schwierigen Operation, intraabdominale Tumorreinigung folgend, unter der allgemeinen Anästhesie durchgeführt. Bevor man den Bauch schließt, setzt man zwei Abflussröhren in den unteren und oberen Quadranten ein. Diese Abflussröhre werden mit einem Apparat, der die Chemotherapieflüssigkeit anwärmt, umgeben. Mit zwei Temperaturfühlern, die an den unteren und oberen Teilen des Bauchs hingelegt werden, wird die Temperatur kontrolliert, um während der Behandlung die Temperatur konstant zu halten. Die Temperatur soll zwischen 41-43° C sein. Die Chemotherapie dauert etwa 60-90 Minuten. 3.5 L von der Chemotherapieflüssigkeit wird in den Bauchraum eingeliefert. Für eine gleichmäßige Verteilung wird der Bauch von außen mit der Hand geschüttelt. Nach 60-90 Minuten, wird die Flüssigkeit zurückgezogen und die Intervention wird beendet.

Wer sind die Mitglieder des Teams, die zytoreduktiven Chirurgie und heiße Chemotherapie durchführen?

Die Operation dauert 8 bis 10 Stunden und verlangt Erfahrung bzgl. der pelvischen und hepatobiliären Chirurgie. Erfahrene Radiologen für prä-operative Evaluierung, medizinishe Onkologen für die Organisation der Chemotherapieprogrammen und Behandlungen, erfahrene Pathologen für die korrekte histopathologische Diagnose, Fachärzte für Nuklearmedizin für die Evaluierung der PET-Tomographie, Diätetikern für die Organisation der geeigneten Ernährung, Anästhesiologen für die Verfolgung der Patienten in der Intensivstation, erfahrene und gut ausgerüstetes Intensivpflegepersonal sind die unerlässlichen Mitglieder des Teams. Infolgedessen ist diese Intervention eine multidisziplinäre Behandlung.

Was ist die Wirkung der heißen Chemotherapie auf die Überlebensrate?

Die meisten Kandidaten für die heiße Chemotherapie sind Patienten, die im Endstudium sind und eine Lebenserwartung von Monaten haben. Deswegen, dieses wichtige Detail soll bei der Bewertung der Überlebensrate berücksichtigt werden.

Die heiße Chemotherapie hat verschiedene langfristige Resultate in verschieden Krebsarten. Der Overialkrebs spricht am besten an. Die Fünfjahresüberlebenszeit ist um 50 Prozent. Diese Rate ist etwa 30 Prozent beim Dickdarmkrebs. Laut der wissenschaftlichen Studien ist die Einjahrüberlebenszeit 43.5 Prozent und die Fünfjahresüberlebenszeit 11 Prozent. Da die Überlebenszeit bei den Patienten mit dem fortgeschrittenen Magenkrebs, der eine Bauchfellmetastase hat, kürzer als 6 Monate ist, kann man leicht bemerken, dass die obengenannten Erfolgsrate ziemlich hoch sind.

Pseudomyxoma peritone hat eine Fünfjahresüberlebenszeit von 66 bis 97 Prozent.

Was sind die Risikos der heißen Chemotherapie?

Das ist eine komplizierte Behandlung, deswegen ist das Risiko höher als die standardmäßigen Operationen. Obwohl sie komplizert ist, gute Resultate können jedoch erzielt werden, wenn der Patient gut vorbereitet ist, während der Operation gut inspiziert und verwaltet wird. Die häufigste Komplikation ist die verminderte oder aufgehobene Beweglichkeit vom Magen und Darm (Magen- und Darmatonie). Während der Operation können Komplikationen wie Blutungen, Niereninsuffizienz bzgl. der Chemotherapie, Blutpropfbildung in Lungen und im Gehirn, Knochenmarkerschöpfung, Wundinfektion, Wunddehiszenz, Anastomose-Leakage auftauchen. Dennoch, werden diese Komplikationen meist mit Hilfe der vorgesehenen Vorsichtsmaßnahmen beseitigt. Obwohl es gegensätzlich in verschiedenen Studien berichtet wird, ist die Mortalität in dieser Operation um 0-7 Prozent. Wenn man das Studium und die Seriosität der Erkrankung in Betracht zieht, die Komplikations- und Mortalitätsrate sind akzeptabel.

ERGEBNIS

Zum Schluss, kann man sagen, dass die zytoreduktive Chirurgie und die heiße Chemotherapie eine langfristige, schwierige, Aufmerksamkeit verlangende, moderne Intervention ist. Aber, wenn es von einem erfahrenen Chirurgen und Team durchgeführt wird, liefert erfolgreiche und aussichtsreiche Resultate. Die Compliance des Patienten und seiner Familie zur Behandlung ist ein Detail, das den Erfolg der Behandlung erheblich erhöht. Die dreibeinige Behandlung “zytoreduktive Chirurgie + heiße Chemotherapie + systemische Chemotherapie” ist die einzige Behandlungsmethode, die eine Überlebenschance von 20 bis 50 Prozen ermöglicht.